,,Die beste Lösung ist nicht automatisch die komplexeste."

Interview mit Peter Rohrmann, Althen GmbH über die Rolle der Sensortechnik in loT­-Anwendungen

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09. Dezember 2020
Eine aktuelle Studie kommt zu dem Schluss, dass das Internet of Things in den Unternehmen Realität geworden ist. Trotz hoher Zufriedenheitswerte steigt die Relevanz des Themas jedoch nur langsam an. Bedenken in Bezug auf Datenschutz, IT-Sicherheit sowie knappe Budgets und Fachkräftemangel sind die häufigsten Gründe. Hier sind auch die Anbieter gefragt, bei der Implementierung zu unterstützen und Konzepte zu entwickeln, die zum jeweiligen Unternehmen passen. Peter Rohrmann, Director New Business Development bei der Althen GmbH, Anbieter von Mess- und Sensortechnik, erläutert die Rolle von Sensoren in einer digitalisierten und vernetzten Produktionsumgebung.

Herr Rohrmann, das Internet of Things ist Gegenstand der Diskussion in vielen Unternehmen. Wie ist aus Ihrer Sicht der aktuelle Stand der Dinge?

Viele Unternehmen bieten bereits heute loT-Lösungen an, ohne dass sie sie als solche bezeichnen. Auch einige der Applikationen, die wir als Sensor-Hersteller der Messtechnik zurechnen, können zu loT-Anwendungen gezählt werden. Ganz allgemein stellen wir fest, dass die Nachfrage nach Vernetzung und Digitalisierung zunimmt. Spätestens wenn es in Anfragen um größere Stückzahlen für verschiedene Standorte geht, stellen Kunden die Frage, wie sie die Messdaten zusammenbringen und an zentraler Stelle zur Verfügung stellen können.

Welche Vorteile bringt die intelligente Vernetzung von Produktionsdaten für Ihre Kunden?

Ein wichtiger Punkt ist die Sichtbarkeit der Daten für mehrere Standorte. Hier sind Vernetzung, Digitalisierung und Plattform-Lösungen gefragt.
Über das reine Bereitstellen der Daten sind die Weiterverarbeitung und Analyse von Bedeutung. Beobachten Sie beispielsweise die Schwingungen eines Getriebes, können Sie aus den Veränderungen ablesen, wann eine Wartung oder ein Austausch ansteht. Predictive Maintenance, auf Deutsch vorausschauende Wartung, bedeutet, Sie planen Ihre Reparaturen bedarfsgerecht anstatt wie herkömmlich nach festgelegten Intervallen.
Neben einer solchen Vereinfachung von Arbeitsprozessen kann auch der Bedarf an manuellen Eingriffen reduziert und eine mobile Überwachung von Betriebszuständen realisiert werden. Diese Effizienzsteigerungen werden durch intelligent interpretierte Sensordaten überhaupt erst möglich.

Peter Rohrmann, Director New Business Development bei der Althen GmbH, erläutert worauf es bei der Mess- und Sensortechnik in IOT-Projekten ankommt.


Welche Anforderungen stellen loT-Projekte an die Mess- und Sensortechnik?

Die Daten, die ein Sensor erhebt, also Kraft, Temperatur, Druck oder andere Parameter, müssen in erster Linie an zentraler Stelle zur Verfügung gestellt werden. Hierfür benötigt man eine Möglichkeit, die heute noch weitgehend analogen Sensorsignale zu digitalisieren und über große Entfernungen zu übertragen; und im nächsten Schritt eine passende Software, um die Messdaten auszuwerten. Hierzu gehört neben der Analyse beispielsweise auch die Visualisierung.
Noch etwas weiter gedacht ist es auch möglich, die Informationen ins Warenwirtschaftssystem einzubringen, um rechtzeitig Ersatzteile zu bestellen und Personal­Ressourcen für eine Wartung einzuplanen. So lassen sich mit Hilfe der Messtechnik die Prozesse optimieren, etwa im Bereich Wartung und Reparatur durch die angesprochene Predictive Maintenance.
Eine loT-Lösung ist immer ein übergreifendes Thema mit Schnittstellen von der Sensorik über die Datenübertragung, -speicherung, -auswertung, -visualisierung, bis hin zu lernenden Systemen (Künstliche Intelligenz), um nur einige zu nennen. Das erforderliche Know-how für die Umsetzung von loT-Projekten wird dadurch immer breiter. Damit wir unsere Kunden in diesem Bereich unterstützen können, erweitern wir unsere Kompetenzen und unser Lösungsangebot ständig.

Messen und Sammeln der Daten sind nur der erste Schritt. Welches sind die wichtigsten Aspekte bei der effizienten Nutzung der Daten?

Alles hängt von der Messaufgabe ab. Wenn unser Kunde eine Anlage überwacht und einfach nur ein Alarmsignal benötigt, sobald eine bestimmte Schwelle überschritten wird, dann braucht er keine konstante Übertragung. Für andere, analytischere Aufgaben werden alle Messdaten benötigt, etwa wenn das Schwingungsverhalten einer Brücke ausgewertet werden solle-R. Dort bietet es sich an, vor Ort Berechnungen durchzuführen, um nicht zu große Datenvolumina übertragen und speichern zu müssen.

Ist es also gar nicht wünschenswert, so viele Daten wie möglich zu sammeln?

Wie so oft ist es sinnvoll, vorher das Ziel zu definieren, das man mit der Messung erreichen möchte, um dann den Weg festzulegen und zu vermeiden, zu große Datenpakete zu erzeugen, die man nicht auswerten kann, und deren Übertragung und Speicherung wertvolle Ressourcen bindet. Der Überblick über die Gesamtlösung wird immer wichtiger.

Gibt es DIE typische Anwendung für Ihre Sensorlösungen in loT-Projekten?

Die Bandbreite der Anwendungen ist riesengroß, weil der Bedarf an präzisen Messdaten zunächst einmal universell ist. Sensoren von Althen werden in anspruchsvollen Messaufgaben eingesetzt, die hohe Anforderungen an Genauigkeit und Zuverlässigkeit stellen. Die Sensoren, die diese Anforderungen erfüllen, haben in der Regel noch Spannungs­oder Stromausgänge, geben also Analogsignale aus. Digitale Ausgänge sind hier noch nicht vorherrschend. Althen unterstützt seine Bestandskunden dabei, nach einer Automatisierung der Produktion auch die Sensordaten zu digitalisieren und in den Prozess einzubinden.
Die nachträgliche Digitalisierung bereits vorhandener Sensoren und Messtechnik lässt sich teilweise auch mit kostengünstigen Produkten effektiv durchführen - ohne Aufsetzung eines komplexen loT-Projekts. Andere Anwendungen machen von vornherein eine Datenübertragung erforderlich. Wenn Sie bei einer Offshore-Solar-Anlage sowohl die Stromerzeugung dokumentieren, als auch mit Kraftsensoren die Stabilität der Stahltrossen, die die Plattform verankern, überwachen wollen, brauchen Sie neben den Sensoren auch die passenden Elektronikkomponenten sowie die Module zur Digitalisierung und Datenübertragung aufs Festland. Wir bieten auch das Gesamtpaket als Projekt an.

Wie unterstützen Sie Ihre Kunden bei loT-Projekten?

Unser Ziel ist es, unseren Kunden Lösungsvorschläge zu machen, wie eine Aufgabe am besten - und unter Berücksichtigung wirtschaftlicher Aspekte - zu lösen ist. Dafür müssen wir feststellen, ob eine komplexe Lösung mit umfangreicher Auswertung erforderlich ist, ob sich die Messaufgabe auch mit einfacheren Komponenten bewältigen lässt. Wir verfolgen das Ziel, wirklich zu verstehen, was der Kunde fordert und am Ende des Tages gemeinsam zum bestmöglichen Ergebnis zu gelangen.

Peter Rohrmann, Director New Business Development bei der Althen GmbH, erläutert worauf es bei der Mess- und Sensortechnik in IOT-Projekten ankommt.


Wie lösen Sie die Kundenanforderungen? Erweitern Sie Ihr Portfolio oder arbeiten Sie mit Partnern?

Um für jede Anforderung die bestmögliche Lösung, und das heißt längst nicht in jedem Fall die technisch komplexeste und entsprechend hochpreisige, zu finden, arbeiten wir mit unterschiedlichen Partnern zusammen. Auf diese Weise erweitern wir unser Angebot, indem wir die richtigen Komponenten mit unseren Sensoren zusammenbringen und dem Kunden anbieten. Die beste Lösung kann eine lokale Vernetzung verschiedener Sensoren in einer Produktionshalle auf Firmenebene sein oder auch ein aufwändigeres Modul, das die Daten bereits vor der Übertragung filtert und aufbereitet.
Auch speziellere Lösungen, wie zum Beispiel Schwingungssensoren drahtlos zu vernetzen, können wir abdecken. Die Umsetzung von Kundenprojekten für dedizierte Sensoren erfordert dabei ein bestimmtes Volumen, um es wirtschaftlich abbilden zu können und zielt daher hauptsächlich auf OEM-Projekte ab.

Ein Ausblick: welche Entwicklungen für das Internet of Things stehen bei Althen in nächster Zeit auf dem Programm?

Vernetzung und Digitalisierung sind für alle Unternehmen interessant, unabhängig von ihrer Größe. Entsprechend sind wir daran interessiert, nicht nur am oberen Spektrum des technologisch Machbaren tätig zu sein, sondern unseren Kunden auch praktikable Lösungen für ihren laufenden Betrieb anzubieten, die sie mit überschaubarem Aufwand sofort implementieren können. Auch mit solchen Lösungen tragen wir dazu bei, dass Berührungsängste und Vorbehalte gegenüber loT-Projekten abnehmen.