Orientierung unter Wasser ohne GPS
Autonome und ferngesteuerte Unterwasserfahrzeuge müssen ihre Bewegungsrichtung und räumliche Orientierung auch ohne direkten Zugriff auf GPS zuverlässig bestimmen können. Ein elektronischer Kompass liefert dafür den Kurs relativ zum magnetischen Norden und erfasst zusätzlich die Lage des Fahrzeugs über Pitch und Roll.
Diese Daten können von der Fahrzeugsteuerung genutzt werden, um einen vorgegebenen Kurs einzuhalten, Manöver auszuführen oder die Orientierung des Fahrzeugs während einer Mess- oder Inspektionsaufgabe zu bestimmen.
Elektronische Kompasse werden beispielsweise in ROVs (Remotely Operated Vehicles) und AUVs (Autonomous Underwater Vehicles) eingesetzt. Typische Aufgaben sind die Inspektion von Offshore-Strukturen, Pipelines oder Unterwasserkabeln sowie Vermessungs-, Forschungs- und Überwachungsmissionen.
Wie funktioniert ein elektronischer Kompass?
Ein elektronischer Kompass kombiniert mehrere Sensortechnologien. Ein dreiachsiges Magnetometer erfasst die Richtung des Erdmagnetfeldes. Zusätzliche Neigungs- oder Beschleunigungssensoren bestimmen Pitch und Roll und ermöglichen eine Neigungskompensation der Kursmessung.
Bei Anwendungen mit stärkeren Bewegungen, Vibrationen oder Beschleunigungen können zusätzlich Gyroskopsensoren eingesetzt werden. Sie stabilisieren die Orientierungsdaten unter dynamischen Bedingungen. Die interne Signalverarbeitung kombiniert die Messwerte und stellt der Fahrzeugsteuerung präzise Informationen zu Kurs, Pitch und Roll zur Verfügung.
Baustein des Unterwasser-Navigationssystems
Ein elektronischer Kompass bestimmt die Orientierung eines Unterwasserfahrzeugs, ersetzt jedoch kein vollständiges Positionsbestimmungssystem. Je nach Anwendung werden seine Messdaten deshalb mit weiteren Navigationsinformationen kombiniert. Dazu können beispielsweise Tiefenmessung, inertiale Navigation, akustische Positionierung oder Geschwindigkeitsmessung relativ zum Meeresboden gehören. Sobald sich das Fahrzeug an der Wasseroberfläche befindet, kann zusätzlich GPS zur Positionskorrektur genutzt werden. Die zuverlässige Bestimmung der Fahrzeugorientierung ist dabei eine wichtige Grundlage, um die verschiedenen Navigationsdaten korrekt miteinander zu verknüpfen.
Produktkategorie
Elektronische Präzisions-Kompasse
- Kursgenauigkeit ±0,5° rms
- Neigungs- und Rollgenauigkeit
±0,3° bis ±0,2° - Orientierung, Vermessung und Positionsbestimmung
Besondere Anforderungen bei Unterwasserfahrzeugen
Die Navigation eines ROV oder AUV findet häufig unter dynamischen Bedingungen statt. Beschleunigungen, Schwingungen und schnelle Lageänderungen stellen hohe Anforderungen an die Sensorik und Signalverarbeitung.
Eine weitere Besonderheit magnetischer Kompasse sind magnetische Störeinflüsse. Elektromotoren, stromführende Leitungen, Batterien oder ferromagnetische Bauteile im Fahrzeug können das lokale Magnetfeld verändern und dadurch die Kursmessung beeinflussen. Die Einbauposition und eine sorgfältige Kalibrierung sind deshalb entscheidend für eine präzise Kursbestimmung.
Worauf ist bei der Auswahl eines elektronischen Kompasses zu achten?
Für eine zuverlässige Orientierung muss der elektronische Kompass auf das Fahrzeug und die Navigationsaufgabe abgestimmt werden. Wichtige Kriterien sind:
- Kursgenauigkeit: Sie bestimmt, wie präzise die Bewegungsrichtung des Fahrzeugs erfasst werden kann.
- Pitch- und Rollbereich: Der Sensor muss die zu erwartenden Lageänderungen des Unterwasserfahrzeugs abdecken.
- Dynamisches Verhalten: Bei starken Bewegungen, Vibrationen oder Beschleunigungen kann ein Kompass mit zusätzlicher Gyroskopstabilisierung sinnvoll sein.
- Magnetische Umgebung: Abstand zu Motoren, Stromleitungen und ferromagnetischen Bauteilen sowie die Kalibriermöglichkeiten müssen berücksichtigt werden.
- Schnittstelle: Digitale Ausgänge wie RS232, RS485 oder TTL müssen zur vorhandenen Fahrzeugsteuerung passen.
- Stromverbrauch: Insbesondere bei autonomen und batteriebetriebenen Unterwasserfahrzeugen kann eine geringe Leistungsaufnahme wichtig sein.
- Einbau und Umgebungsbedingungen: Bauraum, Temperaturbereich und die Integration in das Fahrzeug beziehungsweise dessen Druckgehäuse sind bei der Auswahl zu berücksichtigen.
Besonders bei kompakten ROVs und AUVs sollten Einbauposition, magnetische Umgebung und Sensorkalibrierung bereits bei der Entwicklung des Navigationssystems berücksichtigt werden.
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