Dehnungsmessstreifen (DMS) sind ein zentrales Werkzeug in der experimentellen Spannungs‑ und Dehnungsmessung. Sie ermöglichen die präzise Erfassung mechanischer Belastungen in unterschiedlichsten Materialien und Bauteilen – von Verbundwerkstoffen bis hin zu Schweißnähten. Im Folgenden zeigen wir zwei typische und praxisrelevante Anwendungsfälle.
Prüfung der Materialeigenschaften von Verbundwerkstoffen (CFRP / GFRP)
Faserverstärkte Verbundwerkstoffe wie CFK (CFRP) oder GFK (GFRP) kommen zunehmend in sicherheitskritischen und hochbelasteten Anwendungen zum Einsatz – etwa in der Luftfahrt, im Fahrzeugbau oder in der Energietechnik. Ihre anisotropen Materialeigenschaften stellen jedoch besondere Anforderungen an die Messtechnik. Die präzise Dehnungsmessung mithilfe temperaturkompensierter Dehnungsmessstreifen liefert entscheidende Informationen über mechanisches Verhalten, Alterung, Delamination oder Strukturversagen unter realen Bedingungen.
Materialanisotropie bei Verbundwerkstoffen
Bei Verbundwerkstoffen sind sowohl der Wärmeausdehnungskoeffizient (CTE) als auch der Elastizitätsmodul stark richtungsabhängig. Die gemessenen Dehnungen unterscheiden sich je nach Faserausrichtung erheblich. Insbesondere in Laminatrichtung (durch die Bauteildicke) können thermomechanische Spannungen zu Rissbildung, Mikrorissen oder Delamination führen.
Für eine korrekte Interpretation der Messergebnisse ist die Berücksichtigung der Materialanisotropie zwingend erforderlich.
Einsatz temperaturkompensierter Dehnungsmessstreifen
Für zuverlässige Messergebnisse sollten temperaturkompensierte Dehnungsmessstreifen eingesetzt werden, deren CTE möglichst nahe am CTE des Werkstoffs in der jeweiligen Messrichtung liegt.
Typische Richtwerte sind:
- CFRP: BF‑Serie, ca. 3,5 × 10⁻⁶ / °C
- GFRP: F‑Serie, ca. 17 × 10⁻⁶ / °C
Da der Elastizitätsmodul von Verbundwerkstoffen häufig ≥ 10 GPa beträgt, führt ein niedriger Modul des Dehnungsmessstreifens nicht zu einer Verringerung der Messempfindlichkeit.
Auswahl der richtigen Messgitterlänge
Die Wahl der Messgitterlänge hängt nicht nur vom verfügbaren Klebebereich, sondern auch von der Faser‑ bzw. Gewebestruktur (Pitch) des Materials ab.
Bewährt hat sich eine Messgitterlänge von etwa dem 3‑ bis 5‑fachen der Faserstrukturperiode, um das effektive Verhalten des Verbundmaterials repräsentativ zu erfassen.
Zu kurze Messgitter können lokale Effekte überbewerten, zu lange Messgitter mitteln relevante Spannungen weg.
Fachgerechte Installation von Dehnungsmessstreifen auf CFRP/GFRP
Bei der Oberflächenvorbereitung ist besondere Sorgfalt erforderlich:
- Beim Anschleifen darf die Faserstruktur nicht beschädigt oder durchtrennt werden, da dies sowohl die mechanischen Eigenschaften als auch die Messergebnisse verfälscht.
- Bei Form‑ oder Spritzgussteilen können Trennmittelrückstände vorhanden sein. Diese müssen vor der Verklebung durch gründliches Entfetten vollständig entfernt werden.
Passende Produkte
UBFLA Serie Dehnungsmessstreifen für Verbundwerkstoffe
- 1 Messgitter (linear)
- Messwiderstand: 120Ω
- Messlänge: 0,3 / 1mm
BFCA Serie Dehnungsmessstreifen für Verbundwerkstoffe
- 2 Messgitter, (0°/90°, gestapelt)
- Messlänge: 2 / 5mm
- Verringertes Kriechen
BFLAB Serie Dehnungsmessstreifen für Verbundwerkstoffe
- 1 Messgitter (linear)
- Messwiderstand: 120Ω
- Messlänge: 2 / 5mm
Unsere Projekte
Entdecken Sie unsere Projekte rund um die Materialprüfung.Dehnungsmessung an Schweißnähten und Schweißraupen
Schweißverbindungen zählen zu den kritischsten Bereichen mechanischer Strukturen, da hier häufig Spannungskonzentrationen auftreten. Die Dehnungsmessung an Schweißnähten ist daher ein wichtiges Werkzeug in der Qualitätssicherung, Lebensdaueranalyse und FEM‑Validierung.
Zur Messung an Kehlnähten kann beispielsweise ein FLKB‑1‑11 Dehnungsmessstreifen eingesetzt werden.
Verklebung bei Spannungskonzentration
Beim Aufbringen von Dehnungsmessstreifen auf Schweißnähten muss das Messgitter exakt im Bereich der höchsten Spannung positioniert werden – häufig in der Nähe des Nahtübergangs (Weld Toe).
Bei verrundeten Geometrien oder ausgeprägten Schweißraupen empfiehlt sich der Einsatz einer konturangepassten Andrückvorrichtung, um einen gleichmäßigen Anpressdruck während der Verklebung sicherzustellen.
Um das Messgitter näher an den gewünschten Messpunkt zu bringen, kann die Spitze des Trägers (Carrier) gekürzt werden. Diese Anpassung beeinflusst die Messgenauigkeit nicht, solange sich die Messung im elastischen Bereich des Materials bewegt.
Verklebung auf Schweißraupen
Da Dehnungsmessstreifen eine ebene und glatte Oberfläche benötigen, ist eine direkte Verklebung auf der Schweißraupe meist nicht möglich. In solchen Fällen wird die Raupe im Bereich der Messstelle vorsichtig nachgeschliffen, um eine plane Klebefläche zu erzeugen.
Dabei ist darauf zu achten, dass:
- die strukturelle Integrität der Schweißnaht nicht beeinträchtigt wird,
- das lokale Spannungsfeld nicht wesentlich verändert wird.
Der Dehnungsmessstreifen wird anschließend auf der vorbereiteten Fläche verklebt.
Passende Produkte
FLKB Serie Dehnungsmessstreifen für Standardanwendungen
- 1 Messgitter/linear (extra schmal)
- Messwiderstand: 120Ω
- Messlänge: 1, 2, 6, 10mm